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Die Entstehung der Musikkapellen

Die heutige Blasmusik in Tirol hat viele Vorläufer, die weit zurück ins Mittelalter reichen. Am Anfang standen die „fürstlichen Trumeter (Trompeter), Pauker und Pfeifer“, die die Landesfürsten an ihrem Hof für Festlichkeiten und kriegerische Aufzüge hatten. Erzherzog Sigmund hielt eine ganze Gruppe von Trumeter. Eine eigene starke Gruppe bildeten die Hofpfeifer. Zum Pfeifer gehörte der Trommler, beide waren die Kriegsmusik der Landsknechte. Um 1450 gab es am Innsbrucker Hof eine Blasmusik mit Holz - und Blechblasinstrumenten. Unter Kaiser Maximilian hatte man eine burgundische Musikkapelle, die schon etwas vom Klang späterer Militärmusikkapellen besaß. Die kaiserliche Musik war beritten, einheitlich gekleidet und mit Instrumenten ausgestattet, die in Lederfutteralen verwahrt wurden. Eine wichtige Rolle für die Entwicklung der Blasmusik spielte auch die Hof – und Kirchenmusik. Die Kirchenmusik stand an der Schwelle der Blasmusikkapelle. Ebenso bestimmend war die Militärmusik mit ihrer instrumentalen Ausstattung.

Aus der Zeit der Türkenkriege kannte man die türkische Musik, die ganz auf den Rhythmus ausgerichtet war und weitgehend auf die Melodie verzichtete. Nach der Niederlage der Türken 1683 in Wien verbreitete sich die türkische Musik über ganz Mitteleuropa. In Tirol sind ihre Anfänge zurzeit von Maria Theresia 1765, aus Anlass der Hochzeit ihres Sohnes Leopold in Innsbruck, konnten die Tiroler mit dieser neuen Art der Blasmusik Bekanntschaft machen. Auf breiter Basis breitete sich die türkische Musik in der Zeit von 1815 bis 1840 aus. Dazu kam, dass die französische Revolution mit ihren zündenden Märschen starke Impulse gegeben hat. Die böhmischen Musikanten, die die Kaiserjäger nach Tirol brachten, ergänzten die Tiroler Musikbanden mit Holzinstrumenten.

Einen großen Aufschwung erlebten die Musikkapellen nach 1840, bedingt durch den Festzug 1838 anlässlich der Erbhuldigung Kaiser Ferdinands in Bozen. Neue Instrumente wurden eingeführt bzw. die Alten ersetzt. Es kamen das Schlagzeug und neue Blechinstrumente mit Ventilen dazu. Um 1870 war die Blaskapelle nicht mehr aus Tirol wegzudenken. Sie trat als Schützenkapelle, Feuerwehrkapelle, Dorfmusikkapelle oder Knappenkapelle auf und erhielt eine eigene Tracht oder Uniform. Zu den Kapellen kamen die Marketenderinnen und die Stabführer, welche die Kapelle beim Marsch mit dem Tambourstab führten, während der Kapellmeister die Kapelle beim Konzert dirigierte. Heute liefern die Musikkapellen einen ganz entscheidenden Beitrag zur Volkskultur. Mit rund 500 Musikkapellen darf Tirol heute wohl ohne Übertreibung, als das Land der Musikkapellen bezeichnet werden. Das Besondere daran ist die Tatsache, dass es sich ausnahmslos um freiwillige Interessengemeinschaften handelt, die sich die Pflege der Volksmusik zur primären Aufgabe gestellt haben. Die Musikanten betreiben die Musik ausnahmslos in ihrer Freizeit, ihre Arbeit wird auch nicht bezahlt. Lediglich die Kapellmeister erhalten in der Regel eine Entschädigung, die in den meisten Fällen jedoch nicht einen Unkostenbeitrag übersteigt. Die Kapellen finanzieren sich in der Regel selbst, werden aber häufig durch Spenden und von der örtlichen Bevölkerung begünstigt. Bei größeren Anschaffungen (Instrumente, Trachten, Probelokal u. dgl.) werden sie von zu Fall von der öffentlichen Hand unterstützt. Die Grinzner Musikkapelle wird ebenso großzügig von der Gemeinde unterstützt.

Das Trachtenwesen

Unter dem Begriff „Tracht“ verstehen wir ganz allgemein die Kleidung einer bestimmten Talschaft, einer Gemeinde oder einer bestimmten Gruppe oder Gemeinschaft. Das Wort selbst leitet sich ab von „tragen“ und bedeutet somit nichts anderes als „zu tragende Kleidung“. Die Trachten sind von Talschaft zu Talschaft, aber auch oft von Ort zu Ort, sowohl in der Machart als auch in der Farbe, unterschiedlich gefertigt. In Innsbruck wo im Rundgemälde die dritte Berg –Isel – Schlacht wirklichkeitsnah dargestellt ist, können die Tiroler Schützenkompanien, leicht an Hand ihrer Tracht bestimmt und erkannt werden. Die meisten Trachten der Musikkapellen gehen in ihrer Grundkonzeption meist auf das 18. und 19. Jahrhundert zurück. Vielfach wurden sie aber auch erneuert und den heutigen praktischen Erfordernissen angepasst. In Grinzens wäre die Musikkapelle als wichtiger Kulturträger des Ortes nicht mehr wegzudenken. Kirchliche wie weltliche Veranstaltungen gewinnen gerade durch ihre Teilnahme einen würdigen Rahmen, der von der Bevölkerung mit Freude mitgetragen wird. Eine wesentliche Aufgabe der Musikkapelle ist neben der Pflege der Musik, die Erhaltung der Trachten und die Anschaffung derselben.

Chronik der Musikkapelle Grinzens

Als im Juni 1954 die neue Kirche in Grinzens durch Bischof Dr. Paulus Rusch geweiht wurde, haben die Musikkapellen Axams und Sellrain die musikalische Umrahmung ausgeführt.

 

Die Notwendigkeit einer Musikkapelle für kirchliche und weltliche Veranstaltungen wurde natürlich auch in Grinzens erkannt. Noch im selben Jahr wurde ein Klangkörper von 17 Musikkanten zusammengestellt, der schon am 30. Oktober 1954 unter Obmann Karl Gasser sen. und Kapellmeister Josef Wegscheider zum ersten Mal in Zivilkleidung ausrückte, um dem damaligen Bürgermeister Franz Leitner zu seinem fünfzigsten Geburtstag ein Ständchen aufzuspielen. Die Musikkapelle war somit ins Leben gerufen.

Das erste Ausrücken der Musikkapelle Grinzens

Am Vorabend des 50.Geburtstags von Franz Leitner am 30.10.1954 rückte die neugegründete Musikkapelle, noch in Zivilkleidung, zum ersten Mal aus. Die ganze Familie des Bürgermeisters wurde zu Hause mit einem Ständchen überrascht. Der damalige Feuerwehrkommandant Hans Kastl (Feldeler) organisierte für die noch in Ausbildung stehenden Jungmusikanten Fackeln, welche dem Ständchen eine sehr feierliche Note verliehen. So etwas hatte es in Grinzens noch nie gegeben. Eskortiert von den Fackelträgern (damals gab es noch keine Straßenbeleuchtung) marschierten die Musikanten mit der Familie zu Marschmusikklängen zum Gasthof Oberdanner. Dort angekommen wurde der Geburtstag zünftig gefeiert. Ab diesem Jahr fand sich die Musikkapelle alljährlich zum „Geburtstagsständchen“ ein und bereitete damit Franz Leitner immer wieder eine große Freude. Dieses Ausrücken war bei den Musikanten sehr beliebt, gab es doch beim „Schmied“ jedes Mal Würsteln mit Brot, sowie Bier, was in jener Zeit zu den eher selteneren Getränken gehörte. Ebenso war ein Würstel ein richtiger Festschmaus. Natürlich wurde auch der neu gebrannte Schnaps probiert und oftmals dauerte so ein Ausrücken bis in die frühen Morgenstunden.

Der Feldeler Hof

Zur Abhaltung der Musikproben wurde von der Familie Kastl „Feldeler“ jahrelang die Bauernstube kostenlos zur Verfügung gestellt

 

Im Frühjahr 1955 wurde eine einheitliche Uniform angeschafft, so war es möglich am Weißen Sonntag erstmals mit der neuen Uniform auszurücken

Erstkommunion und Hochzeit des damaligen Schuldirektors Eduard Hellbert 1957

Anschaffung einer einheitlichen Tracht

Drei Jahre später bekamen die Musikkapelle und die neu gegründete Schützenkompanie eine einheitliche schmucke Tracht.

Am 18. Mai 1958 erfolgte die Trachtenweihe.

Im Juli 1962 wurde die Musikkapelle erstmalig mit der Durchführung des Bezirksmusikfestes in Grinzens betraut.

Nur eine Woche später, am 15.07.1962, fand das erste Bataillonsschützenfest in Grinzens statt.

1963 kam die Umstimmung der Musikinstrumente von „Hoher Stimmung“ auf „Normalstimmung“, alle Instrumente mussten durch neue ersetzt werden. Mit dem Bau der Volksschule übersiedelte die Musikkapelle ins neue Probelokal im Keller des Schulgebäudes.1968 bis 1970 war Alois Kofler Obmann der Musikkapelle Grinzens.

Mit der Übernahme durch Obmann Karl Gasser jun. und Kapellmeister Klaus Apperl im Jahre 1969 setzte sich die musikalische Weiterentwicklung stetig fort. Dies unterstrichen einige hervorragende Auslandsauftritte in Südtirol und der BRD. Darunter die Teilnahme am Südtiroler Trachtenfest in Meran mit einem Konzert im Kursaal im Jahre 1973 und Konzerte vor dem Dom in Brixen. 1974 und 1976 in Altena und 1979 in Polch der Bundesrepublik Deutschland.

 

1978 erfolgte der Bau des Musikpavillon und des neuen Probelokals. Im selben Jahr richtete die Musikkapelle zum 2. Mal das Bezirksmusikfest Innsbruck – Land in Grinzens aus, das erfolgreich über die Bühne gebracht wurde.

1986 Fahrt nach Leutschach in der Steiermark, großes Erntedankfest. Unter Obmann Otto Wegscheider und Kapellmeister Arthur Holzknecht konnte 1990 beim internationalen Musikfest in Rastede, unter einer strengen Jury, bei der Marschbewertung ein ausgezeichneter Erfolg erzielt werden.

1993 wurde zum 3. Mal das Bezirksmusikfest in Grinzens durchgeführt. 1995 bis 1998 war Peter Jetzinger Obmann der BMK – Grinzens. Kurz darauf gab es, unter Obmann Alois Oberdanner und Kapellmeister Alois Bucher, einen großen Umbruch in der Musikkapelle, weshalb das Augenmerk auf die musikalische Jugendarbeit verlegt wurde. Diese Durststrecke hat sich bewährt, denn von den Musikanten sind über die Hälfte unter 20 Jahre jung und befinden sich in ständiger Ausbildung. Durch die Unterstützung der bewährten Musikanten entwickelte sich ein gefestigter Klangkörper. Daher konnten auch wieder Konzertreisen unternommen werden, 1999 nach Salzburg, 2000 nach Aix – en – Provence Frankreich und unter Obmann Christian Abenthung ging eine Konzertreise 2002 nach Bregenz.

2003 übernahm Alexander Hager das Amt des Obmannes. 2004 wurde das neue Probelokal der Musikkapelle fertig gestellt. Ebenso feierte die Musikkapelle ihr 50jähriges Bestehen mit einem großen dreitägigen Fest.

2005 unternahm die Musikkapelle Grinzens eine Konzertreise nach Tegernheim, wo eine Premiere, der große „österreichische Zapfenstreich“, aufgeführt wurde. Mit der Tegernheimer Musikkapelle fanden wir eine Partnerkapelle, mit der wir in regem Kontakt stehen.

Im Jahr 2005 übernahm Rene Sarg das Amt des Kapellmeisters, für ein Jahr. Seit September 2006 steht die Musikkapelle unter der musikalischen Leitung von Kapellmeister Mario Dengler. Unter der bewährten Leitung des Kapellmeisters sowie des Jugendreferenten Martin Hassl wurde ein Jugendblasorchester innerhalb der Musikkapelle gegründet. Das Jugendorchester – JOG - ist eine wichtige Erfahrung für die jungen angehenden Musikanten. So lernen die Jungmusikanten schon sehr früh auf was es in einer Musikkapelle ankommt – auf das MITEINANDER

Im Sommer 2008 unternahmen wir eine Konzert – sowie Kulturreise nach Polen. Wir besichtigten die weltbekannte Stadt Krakau und das Konzentrationslager Auschwitz. In der Gastgebergemeinde Cisek umrahmten wir ein Kirchenkonzert sowie einen Frühschoppen. Mit der Polnischen Musikkapelle verbindet uns seitdem eine Freundschaft, die sich mit weiteren Besuchen festigen wird.

Die BMK – Grinzens besteht zurzeit aus 38 aktiven Musikanten, 6 Marketenderinnen, dem Stabführer und dem Kapellmeister, 1 Trommelzieher und 1 Schriftführerin bzw. Chronistin, insgesamt 48 Mitglieder, ebenso 17 Jungmusikanten noch in Ausbildung, die in absehbarer Zeit den Klangkörper verstärken werden. Zum musikalischen Repertoire der Musikkapelle zählen österreichische Blasmusik, traditioneller wie moderner und auch aktueller Literatur.

 

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